Expertenprofil Prof. Dr. Christine Fürst

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Persönliches Zitat:
Ökosystemdienstleistungen sind eines der weltweit erfolgreichsten Konzepte um den Wert von Natur und mögliche Konsequenzen des Verlustes an Biodiversität greifbar zu machen.
Die Mitwirkung an IPBES ist daher für mich ein real gewordener Traum meine Forschung besser mit Politikfragestellungen zu verbinden.

Angaben zur Person:

Prof. Dr. Christine Fürst, Diplom-Forstwirtin

Institutionelle Anbindung:
Martin-Luther Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geowissenschaften und Geographie, Abt. Nachhaltige Landschaftsentwicklung

Weitere Hintergrundinformationen zu Person und Institution:
http://www.geo.uni-halle.de/nala/

Autor in welcher Expertengruppe / Task Force (vergangen und gegenwärtig); ggf. weitere Funktionen im IPBES-Prozess

  • Beteiligung am Scopingprozess für IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(b);
    Regionale/subregionale Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen für die Region Afrika; abgeschlossener Prozess
  • Beteiligung am Scopingprozess für IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(b);
    Regionale/subregionale Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen für die Region Europa und Zentralasien (ECA); abgeschlossener Prozess
  • Lead Author in Kapitel 6 des Assessments für IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(b);
    Regionale/subregionale Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen für die Region Europa und Zentralasien (ECA); laufender Prozess 
  • Beteiligung an der Task Force für IPBES-Arbeitsprogramm Element 1(c): Entwicklung von Verfahren, Ansätzen und partizipativen Prozessen für das Arbeiten mit indigenen und lokalen Wissenssystemen (ILK); laufender Prozess

Teilnahme an anderen IPBES-relevanten Aktivitäten

Als Präsident hat Frau Fürst die Anmeldung von IALE (Internationale Gesellschaft für Landschaftsökologie, www.landscape-ecology.org) bei der IPBES-Matchmaking Facility zu Capacity Building lanciert.

Fragen:

Was ist Ihre Motivation, sich aktiv am IPBES-Prozess zu beteiligen?
Ich finde es sehr wichtig, Forschungsergebnisse für Politikprozesse aufzubereiten und dabei zu lernen, welche Informationsbedarfe die Wissenschaft bedienen sollte, um entscheidungsrelevante Beiträge für eine nachhaltige gesellschaftliche Entwicklung zu liefern.

Was ist für Sie das Besondere am Weltbiodiversitätsrat IPBES?
Das Zusammenspiel aus Natur- und Sozialwissenschaften, die weltweite Zusammenarbeit und die sehr gute Genderbalance sind absolut inspirierend.

Sie waren bereits am Scopingprozess für die Regionen Afrika und Europa & Zentralasein im IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(b); Regionale/subregionale Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen" beteiligt. Welche Erfahrungen haben Sie dort bisher machen können und was hat Sie besonders beeindruckt?
Ich war sehr beeindruckt, wie gut es klappte 150 Wissenschaftler aus weit über 100 Ländern zu einem Konsens zu bewegen, welche thematischen Schwerpunkte eine globale Berichterstattung zu Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen setzen sollte.
Spannend war für mich aber auch, dass ein Konsens in der Arbeitsgruppe Afrika sehr viel schneller gefunden werden konnte, als in der ECAS Region, bei der doch noch eine relativ tiefe Spaltung zwischen West-, Zentral und Osteuropa zu erkennen war. Allerdings hat sich dies zumindest in dem ersten ECAS Autorentreffen relativiert - dort war die Zusammenarbeit sehr fruchtbar und konstruktiv.

An welchem Schwerpunktthema arbeiten Sie mit, und was wäre ein wertvolles Resultat aus Ihrer Sicht?
Die Kapitelfestlegung in der ECAS Region war nicht ganz transparent - ich wollte eigentlich eher zu Kapitel 5 (Szenarien, Modellierung) beitragen, das MEP hat mich dann aber in Kapitel 6 (Governance) eingesetzt.
Anfänglich war ich etwas skeptisch ob ich dazu wirklich beitragen kann, sehe nun aber aus meiner Arbeit in der integrierten Landnutzungsplanung eine gute Gelegenheit, die Frage der Planungs- und Entscheidungsprozesse auf verschiedenen Skalen einzubringen.
Die entsprechende "Governanceterminologie" muss ich mir allerdings noch aneignen. Für mich wäre es besonders wichtig, eine größere Kohärenz zwischen verschiedenen Politikfeldern und Planungshierarchien zu erreichen, da momentan Wechselwirkungen und widersprüchliche Regelungen oft zu eher negativen Effekten für den Erhalt von Biodiversität und die Bereitstellung von Ökosystemdienstleistungen führen.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit "Wissenschafts-Politik-Schnittstellen" gemacht? Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie bei einer Mitarbeit an solchen Schnittstellen?
Ich habe mich vor allem in diversen Verbänden, teils auch Politikplattformen (Forest-Wood-Chain) engagiert und versuche momentan als IALE-International Präsidentin eine größere Sichtbarkeit der landschaftsökologischen Forschung in IPBES und anderen Prozessen zu erreichen. Mir ist es wichtig, zu einem besseren und vor allem transparenten Dialog zwischen Wissenschaft und Politik beizutragen.
Abwägungen zu umweltrelevanten Wirkungen von Politiken, Programmen und Plänen sollten die gesamte Wissensbandbreite berücksichtigen und nicht selektiv Information anfordern. Andererseits fühle ich mich auch in der Pflicht, Forschungsergebnisse so aufzubereiten, dass sie verständlich, nachvollziehbar und umsetzbar sind sind und dazu beizutragen, relevante Wissenslücken zu benennen. Ich denke, dass es einen gegenseitigen Lernprozess braucht.
Schön - und leider eine echte Herausforderung - wäre es natürlich nicht nur in Drei- oder Vierjahreszyklen agieren zu müssen, sondern tatsächlich langfristig angelegte Forschungsvorhaben mit Politikdialog etablieren zu können. Das bleibt aber wohl ein Traum.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft von IPBES?
Ich wünsche mir, dass IPBES erfolgreich dazu beiträgt, eine nachhaltige Umweltentwicklung und Ressourcennutzung umzusetzen und dabei vor allem soziale und ökologische Globalisierungswirkungen aufzeigt.
Ich wünsche mir auch, dass IPBES auf eine gute Qualität der Entscheidungsgrundlagen achtet und ggf. die Zeitplanung adaptiert. Ich wünsche mir vor allem genug Raum, um zwischen den einzelnen Arbeitspaketen eine gute Abstimmung, nicht nur auf Koordinationsebene sondern auch zwischen allen beteiligten Wissenschaftlern und Stakeholdern zu erreichen.
Letztlich wünsche ich mir, dass IPBES auch offene Fragestellungen kommuniziert und damit zur Ausgestaltung zukünftiger Forschungsprogramme beiträgt.

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