Expertenprofil Dr. Marten Winter

Persönliches Zitat:
"Ich hoffe, dass ich unter anderem auch mit meiner Expertise über Biodiversitätsdaten, Wissen aus normalerweise unter-repräsentierten Regionen mobilisieren kann."

Angaben zur Person:

Dr. Marten Winter, Wildtierökologe (mit Schwerpunkt Invasion Ecology/Macroecology)

Institutionelle Anbindung:
Wissenschaftlicher Koordinator von sDiv, dem Synthesezentrum von iDiv; Deutsches Zentrum für Integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Weitere Hintergrundinformationen zu Person und Institution:
www.idiv.de/sdiv/coordinator/vcard_item_309394/detail

Autor in welcher Expertengruppe / Task Force (vergangen und gegenwärtig); ggf. weitere Funktionen im IPBES-Prozess

  • Contributing Author für IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(b); Regionale/subregionale Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen für die Region Europa und Zentralasien (ECA); Kapitel 3 “Status, trends and future dynamics of biodiversity and ecosystems underpinning nature’s benefits to people”; laufender Prozess
  • Mitglied der inoffiziellen Expertengruppe innerhalb des regionalen Assessments für „invasive alien species“ (IPBES-Arbeitsprogramm Element 3(b)(ii); Thematisches Assessment zu invasiven gebietsfremden Arten; offener Prozess

Teilnahme an anderen IPBES-relevanten Aktivitäten

  • Contributing author & Kapitelwissenschaftler für IPCC AR5, Kapitel 4: „Terrestrial & Inland Water Systems“

Fragen:

Was ist Ihre Motivation, sich aktiv am IPBES-Prozess zu beteiligen?
Ich möchte meine Expertise sinnvoll einsetzen, drängende Fragen zum Zustand und den Perspektiven von Biodiversität und deren Beziehung zu Ökosystemdienstleistungen zu beantworten und zu formulieren.

Was ist für Sie das Besondere am Weltbiodiversitätsrat IPBES?
Das stringente Einbeziehen von indigenem Wissen, dass es so im IPCC noch nicht in dem Maße gab. Dass, obwohl es von globalem Interesse ist, auch diese Initiative wieder nicht genug Finanzierung hat.

An welchem Schwerpunktthema arbeiten Sie mit, und was wäre ein wertvolles Resultat aus Ihrer Sicht?
Dem Kapitel wurde ich ohne mein zutun und Wissen zugeteilt. Ich arbeite jetzt für Kapitel 5, einem Synthesekapitel über die Interaktionen der biotischen Umwelt und dem Menschen. Besonders wertvoll wäre es, wenn wir es schaffen Wissen und Expertise besonders in Zentralasien zu mobilisieren und zu erfassen.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit "Wissenschafts-Politik-Schnittstellen" gemacht? Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie bei einer Mitarbeit an solchen Schnittstellen?
Ich habe fast 3 Jahre für den IPCC gearbeitet und vorher für das Land Sachsen ein Monitoringkonzept mitentwickelt.  Meine Erfahrungen dabei sind zum Einem, dass Interesse an wissenschaftlichen Ergebnissen besteht; aber die Art und Weise, wie diese kommuniziert werden bzw. den Politikern o. anderen Interessierten in Ämtern und Behörden zugänglich gemacht werden, starkes Verbesserungspotential hat.  Weiterhin denke ich, ist die Akzeptanz von Unsicherheiten, die wir Wissenschaftler kommunizieren müssen noch nicht hoch genug.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft von IPBES?

  1. Ich wünsche mir eine vernünftige Finanzierung! Man kann nicht immer erwarten, dass Wissenschaftler, v.a. solche aus Ländern wo die Arbeitssituationen noch prekärer sind, ohne Finanzierung bzw. finanzielle Unterstützung für Hilfskräfte diese enorme Aufgabe leisten. Der Anspruch drängende wissenschafts-politische Fragen zu beantworten steht noch nicht dem Grad der finanziellen Unterstützung gegenüber. Geld ist da und wird auch extrem sinnvoll eingesetzt, aber es müsste noch mehr sein.
  2. Weiterhin wünsche ich mir, dass „contributing authors“ als Autoren auch Teil der offiziellen Zitation des entsprechenden Kapitels sind. Eine offizielle Wertschätzung für die Arbeit ist nicht nur die Nennung auf dem Deckblatt in einem Report. So funktioniert die Wissenschaft heutzutage nun mal nicht.
  3. Als letztes hoffe ich, dass IPBES es schafft v.a. in Regionen, die für die meisten Wissenschaftler noch Wissenslücken sind (z.B. Russland (süd)östlich vom Ural) Expertisen, Daten und Kollaborationen mobilisieren kann, die die Wissenschaftswelt enger zusammenrücken lässt und unser Wissen erhöht.

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