2016 / 1 (März 2016)

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Newsletter (2016 | 1)

Ergebnisse des 4. Nationalen IPBES-Forums (28.-29. Januar 2016, Bonn)

Funktion und Ablauf des Nationalen IPBES-Forums

Die Nationalen IPBES-Foren werden einmal im Jahr von der deutschen IPBES-Koordinierungsstelle im Auftrag der Bundesministerien für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) sowie für Bildung und Forschung (BMBF) ausgerichtet. Bei diesen Treffen mit Themen rund um den in 2012 gegründeten Weltbiodiversitätsrat (Intergovernmental Platform on Biodiversity and Ecosystem Services, IPBES) geht es darum, über laufende IPBES-Aktivitäten zu informieren und die Entwicklungen zu diskutieren. Darüber hinaus tragen die Teilnehmer des Forums zur Erarbeitung der nationalen Verhandlungspositionen für die internationalen IPBES-Plenen bei.

Das Nationale IPBES Forum wurde bereits zum vierten Mal durchgeführt. Teilgenommen haben rund 80 Wissenschaftler sowie Vertreter von Ministerien, nachgeordneten Organisationen und Behörden, von gemeinnützigen und Nicht-Regierungsorganisationen, vom IPBES-Sekretariat sowie von Unternehmen und einer Einrichtung in öffentlicher Hand. Insbesondere wurden die sechs IPBES-Arbeitsdokumente diskutiert, die auf dem vierten IPBES-Plenum im Februar 2016 in Kuala Lumpur, Malaysia, verhandelt wurden. Das zweitägige Nationale IPBES-Forum profitierte dabei von der Anwesenheit von zehn nationalen IPBES-Experten, die in die laufenden IPBES-Aktivitäten eingebunden sind. Die Experten gaben den wissenschaftlichen Diskussionen nicht nur wesentliche Impulse, sondern leiteten teilweise auch die Arbeitsgruppen zur detaillierten Analyse der jeweiligen IPBES-Arbeitsdokumente.

 

4. Nationales IPBES-Forum 2016 in Bonn
Hochrangig begrüßt wurden die Teilnehmer des Forums durch (v.l.n.r.) die Generalsekretärin des Internationalen IPBES-Sekretariats Dr. Anne Larigauderie, Ministerialdirigent Wilfried Kraus (BMBF) und Ministerialdirigentin Dr. Christiane Paulus (Foto bereitgestellt von J. Kloos)

 

Thematische Schwerpunkte des 4. Nationalen IPBES-Forums

Die diesjährigen Diskussionen des Forums standen unter einem besonderen Zeichen: es wurden u.a. die beiden ersten abgeschlossenen IPBES Assessments vorgestellt, die für die zwischenstaatlichen Verhandlungen im Rahmen von IPBES-4 in Kuala Lumpur vorgesehen waren. PD Dr. Josef Settele, stellte als koordinierender Leitautor das Assessment zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion (IPBES-Arbeitselement 3(a)) vor. Prof. Henrique Miguel Pereira, ebenfalls koordinierender Leitautor, präsentierte das methodische Assessment zu Szenarien und Modellierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen (IPBES-Arbeitselement 3(c)). Beide Assessments bewerten den weltweit aktuellen Kenntnisstand zum jeweiligen Thema und diskutieren Kenntnislücken sowie die sich daraus ergebenden Forschungsbedarfe.

4. Nationales IPBES-Forum 2016 in Bonn
Ein Schwerpunkt der Diskussionen: die Ergebnisse des Assessments zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion.
(Foto bereitgestellt von H. Schulte)

Während des 4. Nationalen IPBES-Forums wurden nicht nur die fertig gestellten Assessments diskutiert und bewertet, sondern auch weitere IPBES-Arbeitsdokumente, die bei einer Annahme der Vorstudien (Scopings) auf IPBES-4 entsprechende Assessments einleiten würden. Hierzu zählten die Scoping-Dokumente zum globalen Assessment zu Biodiversität und Ökosystemleistungen (IPBES-Arbeitselement 2(c)) - vorgestellt von Prof. Markus Fischer, Ko-Leiter des regionalen IPBES-Assessments zu Europa und Zentralasien und damit Mitglied der Expertengruppe zum globalen Assessment -, zu invasiven gebietsfremden Arten (IPBES-Arbeitselement 3(b)(ii)) - vorgestellt von Dr. Stephanie Thomas, Teilnehmerin an der wissenschaftlichen Online-Konsultation, die zur Erstellung des Dokuments führte -, zu nachhaltiger Nutzung (IPBES-Arbeitselement 3(b)(iii)) - vorgestellt von Dr. Thomas Koetz, IPBES-Sekretariat - sowie zum überarbeiteten Scoping-Dokument zu Politikunterstützungsinstrumenten sowie Methoden hinsichtlich verschiedener Konzeptualisierungen der Werte von Biodiversität (IPBES-Arbeitselement 3(d)) - vorgestellt von Prof. Martin Quaas, Mitglied der IPBES-Expertengruppe für dieses Arbeitselement.

Weitere Beiträge hatten zentrale Querschnittselemente zum Inhalt, die alle IPBES-Themenbereiche betreffen. Im Zentrum standen ein verbesserter Wissenstransfer, eine ausgewogene disziplinäre Beteiligung und Transparenz in IPBES. Die Beteiligung von Sozial- und Geisteswissenschaften im IPBES wurde von Dr. Jens Jetzkowitz vorgestellt, der auch als Ko-Moderator an einem nationalen Workshop zum selben Thema beteiligt war. Das Thema Capacity Building präsentierte Dr. Katja Heubach, Teilnehmerin des ersten IPBES-Forums zu Capacity Building, das Thema Integration von indigenem und lokalem Wissen wurde von Dr. Axel Paulsch, Ko-Leiter der Studie zu ‚Kapazitätenbedarfen in Osteuropa und Zentralasien für Stakeholder Engagement in IPBES‘ vorgetragen. Fragen zur Kommunikation und Einbindung von Stakeholdern diskutierte Malte Timpte, Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland – NeFo / Museum für Naturkunde Berlin.

Die auf dem Forum von Sebastian Tilch (Netzwerk-Forum zur Biodiversitätsforschung Deutschland – NeFo / UFZ Leipzig) moderierte Podiumsdiskussion veranschaulichte die zunehmende mediale Aufmerksamkeit, die IPBES mit dem Abschluss von Arbeitselementen erlangen wird. Auch das von Dr. Carsten Neßhöver – Leiter von NeFo - vorgestellte IPBES-Dokument für IPBES-4 zur geplanten Evaluierung der Effektivität der IPBES-Prozesse erfährt durch das Voranschreiten des IPBES-Prozesses zunehmend an Bedeutung.

Weitere Informationen zum und Ergebnisse des 4. Nationalen IPBES-Forums finden Sie hier.

Nähere Informationen zu den Funktionen und Arbeitsweisen von IPBES finden Sie hier.

4. Nationales IPBES-Fourm 2016 in Bonn
Das Collegium Leoninum in Bonn bot einen angenehmen Rahmen für die wissenschaftlichen Analysen der IPBES-Arbeitsdokumente.
(Foto bereitgestellt von S. Sidiqi)

Ergebnisse des vierten IPBES-Plenums (22.-28. Februar 2016, Kuala Lumpur, Malaysia) mit Blick auf die weitere Umsetzung des IPBES Arbeitsprogramms 2014-2019


Plenum IPBES-4 im Kuala Lumpur Convention Centre, Malaysia
Das Plenum von IPBES-4 im Kuala Lumpur Convention Centre (KLCC), Malaysia. (Foto bereitgestellt von M. Akhtar-Schuster)

Das vierte IPBES-Plenum (IPBES-4) fand vom 22. bis 28. Februar 2016 in Kuala Lumpur, Malaysia, statt. Über 500 Regierungsdelegierte, Repräsentanten von Nichtregierungsorganisationen, UN-Einrichtungen und -Konventionen, zwischenstaatliche und nichtstaatliche Organisationen, Vertreter von indigenen und lokalen Gemeinschaften (IPLCs) sowie weitere Akteure und Interessensgruppen nahmen am einwöchigen Plenum teil.

Erfolgreiche Verabschiedung der beiden ersten Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger

Zunächst prüften die IPBES-Mitgliedsstaaten die beiden abgeschlossenen IPBES-Assessments zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion (IPBES-Arbeitselement 3(a)) sowie zu Szenarien und Modellierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen (IPBES-Arbeitselement 3(c)). Beide Assessments beinhalten jeweils a) eine Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger (Summary for Policymakers, SPM) sowie b) einen umfangreichen Bericht inklusive Zusammenfassungen der einzelnen Kapitel. Die Delegierten verhandelten in sachlicher und konzentrierter Atmosphäre über mehrere Tage die beiden SPMs im direkten Austausch mit den anwesenden wissenschaftlichen Leitern und Autoren der beiden IPBES-Assessments . An beiden Assessments waren Experten aus Deutschland maßgeblich beteiligt und auch in Kuala Lumpur anwesend.

Bei den Diskussionen wurden einerseits konstruktive Kompromisse zur Überwindung gegensätzlicher Meinungen hinsichtlich der Verwendung von Begriffen erzielt (z.B. beim Begriff „biocultural diversity“ in der SPM zu Bestäuber, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion). Andererseits konnten durch die Verhandlungen auch bestimmte Aussagen der SPMs gestärkt werden. Dies betraf u.a. die Zusammenarbeit von IPBES-Experten mit anderen wissenschaftlichen Communities zur Stärkung von Synergien (z.B. die Forderung einer engen Zusammenarbeit von IPBES-Experten für Szenarien und Modelle mit entsprechenden Experten aus dem IPCC-Umfeld).
Der Austausch zwischen den politischen Entscheidungsträgern und den anwesenden Wissenschaftlern untermauerte letztlich sowohl die politische als auch die wissenschaftliche Aussagekraft der beiden Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger, die schlussendlich von IPBES-4 angenommen wurden.

Der scheidende Vorsitzende von IPBES, Prof. Zakri Abdul Hamid
Der scheidende Vorsitzende von IPBES, Prof. Zakri Abdul Hamid, mit Premierminister Najib Razak von Malaysia.
(Foto bereitgestellt von M. Akhtar-Schuster)

Gastgeber Malaysia Begrüßung der Teilnehmer des 4. IPBES-Plenum
Gastgeber Malaysia begrüßte die Teilnehmer des vierten IPBES-Plenums mit landesüblichen Tänzen. (Foto bereitgestellt von U. von Witsch)

Start eines globalen Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen (IPBES-Arbeitselement 2(c))

Begleitet wurden die Verhandlungen zum IPBES-Arbeitsprogramm 2014-2019 von Gesprächen über finanzielle Engpässe. Auf Grundlage der aktuellen finanziellen Situation beschloss das Plenum in Kuala Lumpur neben der Weiterführung laufender Aktivitäten nur den Start des globalen Assessments zu Biodiversität und Ökosystemleistungen. Dieses Assessment soll auf den bereits laufenden vier regionalen und subregionalen sowie den thematischen Assessments aufbauen. Das globale Assessment soll u.a. auch die Erstellung des auf der 13. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD COP 13) zu beschließenden fünften Global Biodiversity Outlook (GBO-5) sowie eine Bewertung der Umsetzung der im September 2015 verabschiedeten Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) unterstützen.

Der Aufruf zur Nominierung von Experten für das globale Assessment zu Biodiversität und Ökosystemleistungen durch Regierungen und Organisationen wurde am 11. März 2016 veröffentlicht. Die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle wird im Auftrag der Bundesregierung den nationalen Nominierungsprozess von Experten koordinieren. Nähere Informationen zum Nominierungsprozess finden Sie hier.

Das 4. IPBES-Plenum in Kuala Lumpur, Malaysia
Die Kontaktgruppe zum globalen Assessment zu Biodiversität und Ökosystemleistungen bei der Überarbeitung des Scoping-Dokuments.
(Foto bereitgestellt von U. von Witsch)

Entscheidungen zu weiteren thematischen Arbeitselementen des IPBES Arbeitsprogramms

Das Plenum verabschiedete folgende Entscheidungen zu weiteren thematischen Arbeitselementen des ersten IPBES-Arbeitsprogramms, die auch auf dem 4. Nationalen IPBES-Forum Ende Januar 2016 in Bonn wissenschaftlich analysiert wurden:

Thematisches Assessment zu invasiven gebietsfremden Arten (IPBES-Arbeitselement 3(b)(ii)): Nach umfangreichen Diskussionen über die Definition von invasiven gebietsfremden Arten einigten sich die Mitgliedsstaaten auf eine Erweiterung der Definition gemäß der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur und natürlicher Ressourcen (IUCN). Der Fokus eines künftigen Assessments soll dabei ausschließlich auf Pflanzen, Tieren und anderen Organismen liegen, die direkt oder indirekt durch Menschen verbreitet werden. Klimabedingte Ausbreitungen sollen nicht betrachtet werden. Das Scoping-Dokument wurde nach dieser Überarbeitung auf IPBES-4 angenommen. Da die Finanzierung für die Umsetzung dieses Assessments derzeit aber nicht gesichert ist, wurde die Entscheidung über den Beginn des Assessments auf IPBES-5 verschoben.

Thematisches Assessment zu nachhaltiger Nutzung der Biodiversität (IPBES-Arbeitselement 3(b)(iii)): Das vorgelegte Scoping-Dokument soll im Rahmen eines Workshops grundlegend überarbeitet werden und nach einer anschließenden Begutachtungsphase auf IPBES-5 erneut zur Abstimmung vorgelegt werden. Weiterführende Informationen zum Aufruf zur Nominierung von Experten für den Workshop finden sie hier.

Überarbeitetes Scoping-Dokument zu Politikunterstützungsinstrumenten sowie Methoden hinsichtlich verschiedener Konzeptualisierungen der Werte von Biodiversität und des Nutzens der Natur für den Menschen (IPBES-Arbeitselement 3(d)): Das überarbeitete Scoping-Dokument wurde angenommen. Über die Durchführung eines Assessments soll auf IPBES-5 entschieden werden. Zudem wurde der weiterentwickelte Leitfaden zur Konzeptualisierung der Werte von Biodiversität begrüßt. Das multidisziplinäre Expertengremium (MEP) des IPBES ist aufgefordert, in Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von Mitteln, zwei Experten je IPBES-Assessment zu benennen, um in Zusammenarbeit mit dem MEP und auf Basis des o.g. Leitfadens die Integration von ‚Werten‘ und ‚Bewertung‘ in allen IPBES-Assessments in angemessener Weise sicherzustellen. Die Experten sollen ihre Arbeit bereits in 2016 beginnen.

Wissenschaftliche Verhandlungsbasis der deutschen Delegation auf IPBES-4

Die deutsche Delegation profitierte während der einwöchigen Verhandlungen zu den SPMs und den weiteren IPBES-Arbeitsdokumenten ganz wesentlich von den Ergebnissen der Expertendiskussionen auf dem 4. nationalen IPBES-Forum in Bonn, das wenige Wochen vor Beginn der zwischenstaatlichen Verhandlungen in Kuala Lumpur stattfand. Weiterhin stärkten auch die bei der Deutschen IPBES-Koordinierungsstelle eingegangenen, umfangreichen Expertenkommentare zu den verschiedenen Arbeitsdokumenten maßgeblich die deutschen Verhandlungspositionen.

Weitere Themen auf IPBES-4

Das vierte IPBES-Plenum verabschiedete darüber hinaus zahlreiche Entscheidungen, die die Regeln und Verfahren für die Zulassung von Beobachtern, die Integration von indigenem und lokalem Wissen in Assessments sowie die Evaluierung der Effektivität der Plattform betreffen. Zudem wurden Maßnahmen zum effektiveren Kapazitätsaufbau beschlossen. Das Plenum beschloss darüber hinaus, die Kooperation zwischen dem IPBES-Sekretariat und biodiversitätsrelevanten, multilateralen Umweltübereinkommen auszubauen.

Neuwahl des IPBES-Büros und des IPBES-Vorsitzenden

Die Amtszeit des ersten IPBES-Büros endete mit IPBES-4. Am letzten Konferenztag wurde daher ein zweites Büro für die Dauer von drei Jahren nominiert . Es setzt sich aus je zwei Vertretern aus jeder der fünf UN-Regionen zusammen. Wie auf IPBES-1 vereinbart, wurde Prof. Robert T. Watson aus Großbritannien einstimmig zum IPBES-Vorsitzenden gewählt. Die Mitgliedsstaaten erwarten vom neuen Büro und dem in Bonn ansässigen IPBES-Sekretariat insbesondere die Identifizierung zusätzlicher Geldgeber, um den finanziellen Engpässen in IPBES aktiv entgegenzuwirken.

 

Die Rolle von Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES

Obwohl IPBES explizit die Repräsentanz vielfältigen Wissens anstrebt, sind Sozial- und Geisteswissenschaftler bisher in den IPBES Expertengruppen und Gremien z.T. deutlich unterrepräsentiert.

Expertenworkshop zur Rolle der Sozial- und Geisteswissenschaften

Um zu verstehen, warum die sozial- und geisteswissenschaftlichen Disziplinen in den vielfältigen IPBES Expertengruppen weniger stark vertreten sind als Naturwissenschaftler, hat die Deutsche IPBES Koordinierungsstelle im November 2015 zu einem Austausch im Rahmen eines Expertenworkshops zu “Sozialwissenschaften im Weltbiodiversitätsrat IPBES - Chancen und Herausforderungen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Biodiversität und Ökosystemleistungen aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive” nach Bonn eingeladen. Dabei kamen Experten aus den Bereichen der Sozial- und Geisteswissenschaften aber auch Vertreter des IPBES-Sekretariats, Experten aus dem Umfeld des Weltklimarats (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC) und verschiedener deutscher Ministerien zusammen.

Policy Brief und Korrespondenz in „Nature“ zur Stärkung der Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES

Als Ergebnis der Workshopdiskussionen und weiterer, nachfolgender Austausche haben die beteiligten Wissenschaftler einen Policy Brief mit konkreten Vorschlägen zur Stärkung der Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES veröffentlicht und zu den IPBES Stakeholder days (20.-21. Februar 2016 in Kuala Lumpur, Malaysia) sowie dem vierten IPBES-Plenum in Kuala Lumpur vorgelegt. Als Kommunikation in die Wissenschaft hinein wurde eine kurze Korrespondenz im Fachmagazin “Nature ” veröffentlicht, welche die Lücken in der disziplinären Einbindung aufzeigt und - neben der Unterstützung bereits vorhandener Bestrebungen – für neue Initiativen zur Stärkung der Geistes- und Sozialwissenschaften in IPBES plädiert.

Gastbeitrag:

Vorwort

In einem Gastbeitrag stellt Dr. Alice B.M. Vadrot, Visiting Research Fellow, Centre for Science and Policy, Universität Cambridge sowie Erwin Schrödinger Fellow, Austrian Research Fund (FWF) als eine der beteiligten Wissenschaftlerinnen an den beiden o.g. Veröffentlichungen zur Stärkung von Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES eine erste Analyse der bisherigen Resonanz zur Verbreitung und Aufnahme des Policy Briefs sowie der assoziierten Korrespondenz im Fachmagazin Nature vor.

Die im Kommentar von Dr. Vadrot zusammengefasste Analyse, die auch auf einen direkten Austausch mit Experten auf IPBES-4 fußt, verdeutlicht die Notwendigkeit, eine stärkere Integration von sozial- und geisteswissenschaftlichen Sichtweisen und Erkenntnissen in IPBES-Prozessen weiter voranzutreiben. Die IPBES-Koordinierungsstelle wird sich auch weiterhin für dieses Thema stark machen und diese Integration befördern.

IPBES-4 und das Verständnis der Sozial- und Geisteswissenschaften: Ein Kommentar

Von Dr. Alice B.M. Vadrot (Cambridge, 09. März 2016)

Dass IPBES das Prinzip der Interdisziplinarität bisher nicht hinreichend implementiert hat, zeigt nicht nur ein Blick auf die disziplinäre Verteilung der Mitglieder des multidisziplinären Expertengremiums (MEP) sondern auch die Zusammensetzung der Autorenteams in einzelnen Assessments, welche überwiegend von Expertinnen und Experten mit naturwissenschaftlichem Hintergrund erarbeitet werden (siehe Policy Brief). Hiervon zeugt auch die Veröffentlichung zweier Kommentare in Nature, die im Anschluss an die Diskussion im Rahmen des Bonn Workshops Empfehlungen für die stärkere Einbindung von Sozial- und Geisteswissenschaften formulieren (Vadrot et al. 2016 , Reuter et al. 2016). Die zahlreichen Aufrufe im Rahmen von IPBES-4, die Sozial- und Geisteswissenschaften stärker in den Prozess einzubinden, verdeutlichen, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer ernsthaften Umsetzung von Interdisziplinarität sowohl beim IPBES Sekretariat, beim MEP als auch bei nationalen Delegationen und Vertreterinnen und Vertretern von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und Wissenschaftsvereinigungen hoch ist.

Welches Wissen hierbei genau mit „Social Sciences“ assoziiert wird und warum der Verweis auf „Humanities“, also die Geisteswissenschaften, immer wieder aus den Verhandlungstexten herausgefallen ist, hängt mit der Frage zusammen, was unter politikrelevantem Wissen im IPBES Kontext verstanden wird. Ein erster Hinweis hierfür liefert die Definition dessen, was IPBES unter dem Begriff der „Institution“ versteht, nämlich ein Bündel aus formellen und informellen Interaktionen zwischen Akteuren und sozialen Strukturen, die determinieren, auf welche Weise Entscheidungen getroffen und implementiert sowie Macht ausgeübt und Verantworten verteilt werden (Díaz et al. 2015).

Aus Sicht einer Sozialwissenschaftlerin wirken die Verweise auf das Thema oft unbeholfen: Unter „Social Sciences“ scheint all jenes Wissen subsumiert zu werden, das nicht naturwissenschaftlich ist und sich mit jenen Faktoren des Biodiversitätsverlustes und -erhalts beschäftigt, die sogenannten „weichen“ Parametern gehorchen. „Social Sciences“ sollen entweder zur Optimierung von Politikimplementierung oder zur Lösung von Zielkonflikten in der Land- und Ressourcennutzung beitragen. Sie scheinen implizit zu versprechen, den Faktor Mensch kalkulierbar in die Erstellung von Kosten-Nutzen Analysen einbauen zu können. Die Rolle kultureller Rahmenbedingungen, Praktiken und Prägungen scheint hierbei sekundär, zumindest suggeriert dies das Zögern, mit welchem teilweise im Rahmen der Verhandlungen auf die Forderung nach einer stärkeren Einbindung der „Humanities“ reagiert wurde.

Die Erwartung, dass „Social Scientists“ die Hebel identifizieren könnten, die zu einer besseren Gestaltung und Umsetzung von Naturschutz- und Nachhaltigkeitsstrategien führen würden, klammert aus, dass Sozial- und Geisteswissenschaften keine Black Box sind. Während sich die Sozialwissenschaften mit der Gesellschaft und der Beziehung zwischen Individuen einer Gesellschaft beschäftigen, zielen die Geisteswissenschaften auf die Erforschung der menschlichen Kultur. Die Zunahme an methodischen und theoretischen Überschneidungen zwischen Sozial- und Geisteswissenschaften in der Erforschung sozial-ökologischer Veränderungen wird beispielsweise in der sozialwissenschaftlichen Teildisziplin der Politischen Ökologie deutlich, aber auch in der disziplinübergreifenden Verbreitung der Ethnographie. Dass es auch kulturelle, nationale und institutionelle Unterschiede zwischen den jeweiligen Wissenschaftstraditionen gibt, erhöht die Diversität an verfügbarem Wissen, die letztlich auch die Vielfalt der methodischen, theoretischen und normativen Zugänge zur Biodiversität begründen.

Gewohnheiten, Motivationen und soziale Normen werden im ersten thematischen IPBES-Assessment zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion als wichtige Schaltstellen für eine verbesserte Governance im Bereich des Naturschutzes angesehen. Governance in ihrer Vielfalt besser zu verstehen erfordert eine Kooperation zwischen Natur-, Sozial- und Geisteswissenschaften und eine gegenseitige Anerkennung der jeweiligen methodischen, normativen und theoretischen Grundlagen.

Letztlich sind es neben den Endprodukten von IPBES - den „Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträger“- insbesondere die Lernprozesse an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Politik, die die Expertinnen und Experten in ihre Universitäten, Forschungsinstitute und Bildungseinrichtungen zurücktragen. Nur so kann die Aufmerksamkeit für die Dringlichkeit der weiteren Erforschung von Biodiversität - insbesondere mit Blick auf die Zusammenhänge zwischen Mensch und Natur - und die Neugierde, an der Entwicklung von Strategien zu deren Schutz und nachhaltiger Nutzung mitzuwirken, aufrechterhalten werden und neues Wissen über die Barrieren und Chancen für eine nachhaltigere Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entstehen.


Jetzt registrieren für die dritte pan-europäische IPBES Stakeholder Konsultation (PESC-3)

Vom 14.-16. Juni 2016 findet in Leipzig die dritte pan-europäische Stakeholder Konsultation zu IPBES statt. Ziele dieser Veranstaltung sind die Übermittlung von gemeinsam erarbeiteten Kommentaren zum regionalen IPBES-Assessment für Europa und Zentralasien an IPBES, die Vernetzung europäischer und zentralasiatischer Expertinnen und Experten für Biodiversität und Ökosystemleistungen sowie die Förderung ihrer Einbindung in IPBES-Prozesse.

Organisiert wird die PESC-3 vom Netzwerk-Forum für Biodiversitätsforschung Deutschland (NeFo), kooperierende Partner sind die nationalen Biodiversitätsplattformen in Belgien, Frankreich, Portugal und der Schweiz.

Expertinnen und Experten für Biodiversität und Ökosystemleistungen aus ganz Europa und aus Zentralasien sind eingeladen, an dieser Konferenz teilzunehmen.

Ausführliche Informationen zur Veranstaltung finden Sie hier.

Direkt zur Anmeldung (bis 30. April 2016) gelangen Sie hier.

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