Expertenprofil Prof. Dr. Julian Gutt

Persönliches Zitat:
„Der Mensch ist Teil der Natur, er ist ihr nicht übergeordnet. Erst wenn er das begreift, hat er eine Überlebenschance.“ (Richard von Weizsäcker)

Angaben zur Person:

Prof. Dr. Julian Gutt, Meeresökologe

Institutionelle Anbindung:
Alfred-Wegener-Institut, Hemholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg

Weitere Hintergrundinformationen zu Person und Institution:
https://www.awi.de/ueber-uns/organisation/mitarbeiter/julian-gutt.html

Autor in welcher Expertengruppe / Task Force (vergangen und gegenwärtig); ggf. weitere Funktionen im IPBES-Prozess

  • Lead Author in Kapitel 2 des Assessments für IPBES-Arbeitsprogramm Element 2(c); Globales Assessment; laufender Prozess

Fragen:

Was ist Ihre Motivation, sich aktiv am IPBES-Prozess zu beteiligen?
Menschenverursachte Eingriffe in marine Ökosysteme sind weitverbreitet, aber oft nicht sichtbar. Damit sind Schädigungen auch nur schwer abschätzbar. Gerade deshalb erfordern marine Ökosysteme mindestens dieselbe Aufmerksamkeit durch die Öffentlichkeit und politische Entscheidungsträger wie terrestrische. Die Meere erstecken sich nämlich über 70% der Erdoberfläche und produzieren, um nur ein Beispiel von Ökosystemdienstleistungen zu nennen, 50% des Sauerstoffs, den wir zum Atmen benötigen.

Was ist für Sie das Besondere am Weltbiodiversitätsrat IPBES?
Eine sich über alle Land- und Meeresökosysteme erstreckende Sachstandsbewertung (Assessment) mit erheblichen Unterschieden in ihren Strukturen bei gleichzeitigen Ähnlichkeiten in menschenverursachten Bedrohungen ist eine einzigartige und spannende Herausforderung.

Sie sind bereits schon länger bei IPBES-Prozessen beteiligt. Welche Erfahrungen haben Sie dort  bisher machen können und was hat Sie besonders beeindruckt?
IPBES hat die Aufgabe Assessments zu verschiedensten Erdregionen durchzuführen, in denen das Wissen und die Datengrundlagen ungleich verteilt sind. Dies ist nicht immer einfach, und IPBES versucht hier schnell zu effektiven Verfahren zu gelangen. Beeindruckt hat mich die Bereitschaft zur Öffnung für Expertise aus allen Bereichen, nicht nur der Wissenschaft.

An welchem Schwerpunktthema arbeiten Sie mit, und was wäre ein wertvolles Resultat aus Ihrer Sicht?
Das Kapitel 2 („Nature“) mit seinen fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen sollte als ideale und robuste Grundlage für die Sachstandsbewertung (das Assessment) dienen.

Welche Erfahrungen haben Sie bereits mit "Wissenschafts-Politik-Schnittstellen" gemacht? Welche Chancen und Herausforderungen sehen Sie bei einer Mitarbeit an solchen Schnittstellen?
Wenn es um die Vermittlung von Forschungsinhalten geht, sollten wir die politischen Entscheidungsträger fragen, was sie von uns erwarten, und nicht einfach davon ausgehen, dass wir wissen, was sie wünschen. Wenn der Nachweis über die Existenz menschenverursachter Schädigungen der globalen Biodiversität deutlich und vielfach kommuniziert wird, haben wir ein reale Chance, die derzeitige unbefriedigende Situation zu verbessern.

Was ist Ihr persönlicher Wunsch für die Zukunft von IPBES?
Ich hoffe, dass die vom IPBES-Prozess ausgehenden 'Signale' weltweite Beachtung erfahren, damit die Menschheit sich nicht den Ast absägt, auf dem sie selber sitzt.

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