2017 / 1 (Februar 2017)

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Newsletter (2017 | 1)

Globale Bestandsaufnahme zur biologischen Vielfalt und den Ökosystemleistungen angelaufen

Deutscher Biodiversitätsexperte Professor Josef Settele zum Ko-Vorsitzenden des Autorenteams berufen

Der Weltbiodiversitätsrat IPBES (Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services) hat seine umfassende, globale Bestandsaufnahme zum aktuellen und für die Zukunft (bis 2050) prognostizierten Zustand der biologischen Vielfalt und der Ökosystemleistungen begonnen. Thematisch wird dieses Assessment neben Land, Binnengewässern und Küstenzonen auch die Ozeane abdecken. Analysiert werden auch die Auswirkungen auf das menschliche Wohlergehen. Die Erkenntnisse der bereits fertiggestellten und in Arbeit befindlichen IPBES-Sachstandsberichte werden mit einbezogen.

Ausgerichtet an den Bedarfen der politischen Entscheidungsträger sollen die Ergebnisse des Berichts gut informierte Entscheidungen zum Schutz der globalen Biodiversität ermöglichen. Darüber hinaus wird der Bericht als wichtige Grundlage für die Erstellung des fünften Globalen Ausblicks auf die Biodiversität (GBO-5) des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) dienen. GBO-5 wird 2020 erscheinen. Zudem wird der Bericht eine Bewertung der Umsetzung der im September 2015 verabschiedeten 2030-Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen (SDGs) sowie weitere biodiversitätsrelevante Konventionen unterstützen.

Professor Josef Settele vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung GmbH (UFZ) wurde zum Ko-Vorsitzenden des internationalen Autorenteams berufen. Zusammen mit Professorin Sandra Díaz (Argentinien) und Professor Eduardo Brondízio (Brasilien & USA) leitet er in den nächsten drei Jahren die Erstellung des Berichts. Die Arbeitsgruppe erhält für ihre künftigen Aufgaben eine Geschäftsstelle am internationalen Sekretariat des IPBES in Bonn. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) unterstützt diese Geschäftsstelle mit rund 250.000 Euro für die kommenden drei Jahre. Zudem erhält Professor Settele für seine Tätigkeiten eine Unterstützung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), das rund 700.000 Euro hierfür zur Verfügung stellt – ebenfalls für drei Jahre.

Settele arbeitet am UFZ im Department Biozönoseforschung. Er ist zudem Professor für Ökologie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitglied des Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv). In der Vergangenheit war er bereits als koordinierender Leitautor und Leitautor in IPBES sowie im Weltklimarat (IPCC) tätig.

Ein erstes Autorentreffen fand vom 15. bis 19. August 2016 in Bonn statt. "Über 130 Autoren aus allen Regionen der Welt werden für den Inhalt dieses globalen Berichts verantwortlich zeichnen. Wichtig bei deren Auswahl war uns nicht zuletzt auch die disziplinäre Ausgeglichenheit. Dies dient dem Ziel, alle wichtigen Aspekte kompetent abzudecken, inklusive der Einbindung indigenen und lokalen Wissens." So Settele nach dem Treffen in Bonn.

Ein erster Entwurf des Berichts wird für Mitte 2017 erwartet. Die Fertigstellung ist bis Mai 2019 vorgesehen.

Prof. Dr. Josef Settele vom UFZ ist Ko-Vorsitzender des globalen Assessments des IPBES. (Foto: Sebastian Wiedling/ UFZ)

Die 13. Vertragsstaatenkonferenz des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD COP-13) greift Empfehlungen aus dem abgeschlossenen IPBES-Assessment zu ‚Bestäubern‘ auf und begrüßt das Assessment zu ‚Szenarien und Modellierung‘

Die in Kuala Lumpur, Malaysia, im Februar 2016 von den IPBES-Mitgliedsstaaten angenommenen IPBES-Assessments zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion sowie zu Szenarien und Modellierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen haben Eingang in Beschlüsse der 13. Vertragsstaatenkonferenz  (einzusehen unter dem Reiter "Outcomes") des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD COP-13 in Cancún, Mexiko, 04.-17.12.2016) gefunden.

Annahme von Kernbotschaften aus dem IPBES Assessment zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion

Die 13. Vertragsstaatenkonferenz unterstreicht im Beschluss XIII/15 die Bedeutung von Bestäubern (bewirtschaftete wie auch wildlebende Arten) und Bestäubung für alle terrestrischen Ökosysteme, u.a. zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität und insbesondere für Nahrungsmittelproduktion, Ernährungssicherung und menschliches Wohlbefinden.

Der Beschluss hebt die Bedeutung des im Februar 2016 verabschiedeten IPBES-Sachstandsberichts zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion  hevor und fordert die CBD-Vertragsparteien sowie die Industrie auf, die Ergebnisse des Berichts in ihre Planungen für die Bewirtschaftung und den Schutz von Bestäubern aufzunehmen.

 

Darüber hinaus begrüßen die Vertragsparteien die von den Niederlanden initiierte „Coalition of the willing on pollinators“  (auf deutsch: ‚Koalition der Willigen für Bestäuber‘), welcher Deutschland während des zweitägigen Ministersegmentes zu Beginn der Vertragsstaatenkonferenz in Cancún als Gründungsmitglied beigetreten ist.

Für die kommenden zwei Jahre bis zur nächsten Vertragsstaatenkonferenz verpflichten sich die Mitglieder dieser Koalition:

Nationale Strategien zum Schutz von Bestäubern und ihrer Lebensräume zu erstellen, die sich an den Handlungsoptionen des IPBES-Sachstandsberichts orientieren

Regelmäßig Erfahrungen auszutauschen, die bei der Umsetzung nationaler Strategien zum Schutz von Bestäubern gewonnen werden

• Sich gegenseitig zu unterstützen und mit relevanten Interessensgruppen und Akteuren zusammenzuarbeiten

Forschung für den Schutz von Bestäubern zu fördern

Die Empfehlungen des IPBES-Assessments zu Bestäubern, Bestäubung und Nahrungsmittelproduktion sind in einer Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger gebündelt. Im Auftrag des BMUB und des BMBF hat die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle eine Erläuterung dieser Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger erstellt, die hier elektronisch zur Verfügung steht. Darüber hinaus kann diese Erläuterung als gedruckte Broschüre über die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle (de-ipbes@dlr.de) bezogen werden.

Eingang des methodischen IPBES-Assessments zu Szenarien und Modellierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen in die Beschlüsse der 13. Vertragsstaatenkonferenz der CBD

Im Beschluss XIII/29 der 13. Vertragsstaatenkonferenz wird das methodologische IPBES-Assessment zu Szenarien und Modellierung von Biodiversität und Ökosystemleistungen  begrüßt und als sehr relevant für die Arbeiten des Übereinkommens über die biologische Vielfalt und insbesondere für die Erstellung der fünften Ausgabe des Globalen Ausblicks auf die Biodiversität (GBO-5) anerkannt. Darüber hinaus wird anerkannt, dass IPBES-Arbeiten zu Szenarien und Modellierung für alle biodiversitätsrelevanten Konventionen bei der Entwicklung entsprechender Instrumente wichtig sind (Beschluss XIII/24).

Fünftes IPBES-Plenum (7. - 10. März 2017) in Bonn

Das fünfte IPBES-Plenum (IPBES-5) findet vom 7. bis 10. März 2017 in Bonn statt und wird darüber entscheiden, ob die noch ausstehenden thematischen und methodischen Assessments des ersten IPBES-Arbeitsprogramms (2014-2018) begonnen werden.

Dies betrifft das:

• Assessment zu invasiven gebietsfremden Arten (IPBES-Arbeitselement 3(b)(ii))

• Assessment zu Politikunterstützungsinstrumenten sowie Methoden hinsichtlich verschiedener Konzeptualisierungen der Werte von Biodiversität und des Nutzens der Natur für den Menschen (IPBES-Arbeitselement 3(d))

• Assessment zu nachhaltiger Nutzung der Biodiversität (IPBES-Arbeitselement 3(b)(iii))

Darüber hinaus wird auf dem fünften IPBES-Plenum auch über Capacity-building-Maßnahmen, Ansätze zur Einbeziehung indigenen und lokalen Wissens in IPBES-Arbeitselemente sowie über den Stand laufender Assessments berichtet. Das Plenum wird zudem über die Vorgehensweise bei der Evaluierung der Plattform entscheiden. Des Weiteren werden erste Weichen für ein zweites IPBES-Arbeitsprogramm gestellt.

Zur Vorbereitung der nationalen Positionen für das fünfte IPBES-Plenum richtet die deutsche IPBES-Koordinierungsstelle im Auftrag des BMUB und des BMBF das  5.Nationale IPBES-Forum am 9. Februar in Bonn aus.

Das nationale IPBES-Forum ist eine etablierte Plattform für Experten, interessierte Akteure und Interessensgruppen aus Wissenschaft, Politik und der Zivilgesellschaft und dient dazu, die Verhandlungsthemen der jeweils anstehenden IPBES Plenen zu analysieren.

Die Rolle von Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES

In die wissenschaftlichen Assessments von IPBES sollen verschiedene wissenschaftliche Disziplinen sowie verschiedene Wissensformen (bspw. indigenes und lokales Wissen) einfließen. Bei näherer Betrachtung der disziplinären Zusammensetzung von IPBES Expertengruppen wurde aber oftmals eine starke Beteiligung von Naturwissenschaftlern deutlich, während Sozial- und Geisteswissenschaftler teilweise eher unterrepräsentiert waren. Um die Gründe für die geringere Beteiligung von Sozial- und Geisteswissenschaftlern aufzudecken, hat die deutsche IPBES Koordinierungsstelle im Auftrag von BMUB und BMBF seit Anfang 2015 einige Aktivitäten und Diskussionen angestoßen. Hierzu gehörte auch eine wissenschaftliche Session auf der European Ecosystem Services Conference im September 2016 in Antwerpen, an der u.a. auch ein Mitglied des multidisziplinären Expertengremiums (MEP) von IPBES aktiv teilnahm.

Session zu Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES auf der European Ecosystem Services Conference in Antwerpen, Belgien

Aufbauend auf den bisherigen Workshops und Ergebnissen (Policy brief, Nature Correspondence, s. hierzu auch Newsletter 2016 / 1 (März 2016)) hat die deutsche IPBES Koordinierungsstelle gemeinsam mit Experten einen weiteren Austausch zu Perspektiven und Erfahrungen in Bezug auf die Rolle von Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES initiiert. Den Rahmen hierfür bot die European Ecosystem Services Conference 2016 in Antwerpen, Belgien, die Experten aus Forschung, Praxis und Politik zu den Themen Ökosystemleistungen und Naturkapital zusammenbrachte.

Ziel der Session zur Rolle von Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES war es, der internationalen Wissenschafts-Community die bisherigen Ergebnisse und Diskussionen, die aus den gemeinsamen Aktivitäten der deutschen IPBES-Koordinierungsstelle und einem internationalen Wissenschaftler-Team in 2015 und 2016 hervorgegangen sind, vorzustellen und gemeinsam weiter zu diskutieren.

Die Diskussionen in Antwerpen zeigten ein überaus komplexes Wirkungsgefüge aus Chancen und Herausforderungen, aber auch konkrete Möglichkeiten für eine aktivere Rolle der Sozial- und Geisteswissenschaften in IPBES auf. Ein ausführlicher Bericht zum Ablauf der Session und zu den Diskussionen ist hier zu finden. Das Programm der Session finden Sie hier, die Vorträge im Original hier.

Das Interesse an der Session auch schon im Vorfeld der Konferenz bestätigt die Notwendigkeit, den Austausch zu diesem Thema auch weiterhin zu fördern. Gerade die Podiumsdiskussion zeigte eindrücklich, dass es vielfältige Perspektiven und Sichtweisen gibt und dass die angestrebte Einbindung von Sozial- und Geisteswissenschaftlern auch innerhalb von IPBES weiterhin eine stärkere Auseinandersetzung mit diesem Thema bedingt.

Auf dem 5. Nationalen Forum der deutschen IPBES Koordinierungsstelle am 9. Februar 2017 (Programm) werden diese und weitere Entwicklungen zur Rolle der Geistes- und Sozialwissenschaften in IPBES dargestellt sowie mögliche Anregungen für zukünftige Aktivitäten in diesem Kontext mit den Teilnehmern des Forums diskutiert.

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